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Die Santini-Sammlung

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(Porträt Santinis aus dem LWL- Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte, Münster/Porträtsammlung Diepenbroick)


Die Santini-Sammlung gilt in Fachkreisen als eine der umfangreichsten und wertvollsten Quellen italienischer Musik des 16. bis 19. Jahrhunderts und umfasst ca. 20.000 Titel in ca. 4500 Handschriften sowie ca. 1200 Drucke. Sie besteht hauptsächlich aus geistlicher Musik. Weltliche Musik bildet etwa ein Viertel des Bestandes, während Instrumentalmusik nur wenig vertreten ist. Außerdem enthält sie noch eine Anzahl musiktheoretischer Drucke.

Zusammengetragen wurde diese einmalige Sammlung vom römischen Priester und Musiker Abate Fortunato Santini (1778 – 1861), der schon als Kind im Waisenhaus eine musikalische Ausbildung erhielt (u.a. von Giuseppe Jannacconi), die er auch während seines Studiums und nach seiner Priesterweihe fortführte. Gefördert durch Kardinal Odescalchi, wurde Santini Zugang zu Kirchen- und Adelsarchiven in Rom gewährt, in denen er zahlreiche Manuskripte und Drucke abschrieb oder aus Einzelstimmen Partituren erstellte (die letzten Abschriften entstanden 1856). Zusammen mit dem musikalischen Nachlaß seines Lehrers Jannacconi entstand so schnell eine beachtliche Sammlung.1820 erschien sein erster Katalog mit ca. 2000 Titeln und machte ihn auch international bekannt. Wegen des Tausches mit ausländischen Musikwissenschaftlern und Musikern kamen nun auch deutsche, englische, französische usw. Werke in den Bestand.


(Georg Friedrich Händel - SANT Hs 1897, Bl. 1)

1853 kam der junge Münsteraner Kleriker Bernhard Quante, Domvikar und Lehrer für Kirchengesang, nach Rom und lernte dort Santini kennen. Dank seiner Initiative verkaufte Santini die Sammlung an das Bistum Münster unter der Bedingung, dass sie bis zu seinem Tod in Rom blieb. 1862 wurde sie nach Münster gebracht, wo sie in Vergessenheit geriet.

Erst etwa 40 Jahre später besuchte der Musikschriftsteller Edward Dent die Santini-Sammlung, um Material über Alessandro Scarlatti zu suchen und schilderte in einem Zeitschriftenartikel den schlechten Zustand der Sammlung. Danach begann Joseph Killing die Bestände für seine Dissertation "Kirchenmusikalische Schätze der Bibliothek des Abbate Fortunato Santini" (1908) zu sichten und zu katalogisieren, doch bedingt durch seinen frühen Tod blieb der Katalog unvollständig.

1923 übernahm die Universitätsbibliothek die Sammlung für 25 Jahre per Leihvertrag. Die musikwissenschaftliche Fachrichtung an der Universität Münster und vor allem Karl Gustav Fellerer sorgten für die Katalogisierung und Auswertung der Bestände. Von 1931 – 1937 erschien im "Kirchenmusikalischen Jahrbuch" ein alphabetischer Katalog der geistlichen Werke. Wegen des Verbots der Zeitschrift durch die Nationalsozialisten blieb auch dieser Katalog unvollendet. Der vollständige Zettelkatalog der Universitätsbibliothek wurde im Oktober 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Die Sammlung selbst war ausgelagert worden und konnte nach Kriegsende unversehrt in die Universitätsbibliothek zurückkehren, wo dann im Januar 1946 durch einen Hochwassereinbruch etwa 5 % der Bestände überflutet und nur noch teilweise gerettet werden konnten. Dabei gingen wichtige Manuskripte (u.a. von Palestrina und Pergolesi) verloren.


(Giovanni Pierluigi da Palestrina - SANT Hs 2946, Bl. 1)

Nach Auslauf des Leihvertrages 1948 übernahm das Bistum wieder die Sammlung und lagerte sie im Diözesanarchiv, wo Wilhelm Wörmann, Lehrer an der Kirchenmusikschule, einen alphabetischen Katalog erstellte, der – mittlerweile überarbeitet – noch heute die grundlegende Informationsquelle ist. Inzwischen ist der Bestand auch komplett im Internationalen Quellenlexikon RISM "Répertoire International des Sources Musicales" erfasst und über CD-ROM oder Internet  zugänglich. 1958 musste die Santini-Sammlung erneut umziehen, und zwar in die Bibliothek des Priesterseminars, der heutigen Diözesanbibliothek Münster. Nun wurden erste Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen eingeleitet; u.a. wurde 1985 nahezu der gesamte Bestand auf Mikrofiches verfilmt.

Die Santini-Sammlung ist - zur Zeit noch unentgeltlich – während der Öffnungszeiten der Diözesanbibliothek zugänglich (Hinweise für die Benutzung von Handschriften und seltenen Drucken aus den Beständen der Diözesanbibliothek). Auf Grund der personellen Situation ist eine telefonische Anmeldung erforderlich (Tel.: 0251/495-6380). Außerdem können Mikrofiche-Kopien der Handschriften und der Drucke bestellt werden.


(Bernardo Sabadini: Benché Cupido mi sia crudele - SANT Hs 186, Bl. 22)

 

 
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  Ursula Horstmann, Diözesanbibliothek
letzte Änderung: 07.11.2012 10:13 Uhr
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